Inlinerkurs für blinde Menschen

 Am 21. April 2012 bot der 1. FCN Roll- und Eissport e.V. einen Inlinerkurs für blinde und sehbehinderte Menschen in Nürnberg an.

Drei blinde Teilnehmer/innen aus München im mittleren Lebensalter hatten sich angemeldet, die als Anfänger das Inlineskaten erlernen wollten. Durch die geringe Teilnehmerzahl war eine besonders individuelle und intensive Anleitung durch Jana und Volker gewährleistet. Neben den Anfängern führte Michael mit den blinden Skatern unseres Team parallel ein Sondertraining zur Vorbereitung auf den Halbmarathon in Kerpen durch. So konnten die Anfänger auch erfahren, was beim Inlineskaten von blinden Menschen möglich ist. Begleitet wurde der Kurs durch einen Redakteur des BR und eine Sondersendung im Radio B5 war für den Juni geplant.

In den sechs Kursstunden war es möglich, den Anfängern das Inlineskaten beizubringen, so dass sie zu einer Ausfahrt fähig gewesen werden. Leider kinnte eine Ausfahrt aufgrund des nur eintätigen Kurses nicht eingeplant und durchgeführt werden. Inlineskaten für Blinde steht und fällt auch dadurch, ob am Heimatort Begleitskater für regelmäßige Ausfahrten, die zur Festigung der Fertigkeiten notwendig sind, zur Verfügung stehen. Jedenfalls hat es den Teilnehmern Spaß gemacht, diese Sportart kennenlernen und erfahren zu können. 

Der Beitrag im Gesundheitsmagazin des B5 am 3. Juni 2012 spiegelt die Aktion und den Erfolg wieder.

Hier der Link zum BR5 GesundheitsmagazinLink direkt zum Beitrag im B5 Gesundheitsmagazin 03062012

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Fotos © Pamela Almenara

Am 7. Juli 2012 wird ein Sonderkurs für die blinden Skater der SWW aus München, zu der auch Teilnehmer der NWW Nürnberg eingeladen sind, stattfinden.

Blinde Inlineskater können jedoch individuelle Inlinerkursstunden  in Nürnberg buchen. Zeit 4 mal 45 Minuten an einem Tag. Kosten 60 € (Sonderpreis).

 Volker Springhart – Telefon 0911819119  Mail: springhart@gmx.de


Passau – Wien – Tour Juni 2000

Inlineskating hat sich mittlerweile als Breitensport etabliert. Dass es auch im Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte möglich wurde diesen modernen Fun-Sport für jeden zugänglich zu machen, liegt nur daran, dass unser Heimleiter sich selbst zu einem Inline-Freak entwickelt hat und mittlerweile sogar ganz offiziell mit Trainer-Lizenz alle die es wollen ins Rollen bringt.

Ins Rollen gebracht hat Herr Springhart auch die Inlinertour in den Pfingstferien. Um diese spektakuläre Freizeit überhaupt zu ermöglichen, war eine gute Vorbereitung nötig. Auswahl und Training der Teilnehmer, Beschaffung der nötigen technischen Ausstattung und Planung der Streckenabschnitte erforderten viel Engagement.

Nur Rene Zieher, Alex Appelhans und Joachim Siegfried konnten die strengen Qualifikationsbedingungen meistern und hielten bei vier Trainingsläufen von 10 – 30 km Länge (einer davon mit „Sturmgepäck“) durch.

Herr Springhart, vortan bezeichnet als Chief-coach, verpasste jedem den richtigen Schuh mit bester „Bereifung“ nebst einem großen Wanderrucksack und traktierte einige Nächte seinen PC um via Internet weltweit Informationen über den Donauradweg zu erhalten.

Am 19. Juni, Sonntag morgen um 8.00 Uhr, war es endlich so weit. Gemeinsam brachen wir auf zum Bahnhof und fuhren Geld und Umwelt schonend mit dem 35 DM-Ticket nach Passau. Nach einem Spaziergang durch die sehenswerte 3-Flüsse-Stadt standen wir dann endlich am Beginn unserer 330 km langen Strecke. Also rein in die Skater und ab ging es.

Sonntag

Die erste Etappe war zum Eingewöhnen nur 27 km lang und führte uns schon über die Grenze. Alles klappte prima, und gegen Abend schipperte uns der Fährmann über den Strom dem ersten Nachtlager in der Jugendherberge von Engelhartszell entgegen. Gute Behausung, nette Bewirtung und reichhaltige Verpflegung sorgten weiter für beste Stimmung.

Montag

Bewährt hatte sich die Aufteilung der Gruppe in die Führungsriege bestehend aus dem Chief-Coach, Rene Z. und Alex A., die oft weit voraus eilten, um vor allem rechtzeitig das abendliche Lager zu sichern, während Jo und ich als Schlusslicht mehr Zeit hatten. Das war auch deshalb nötig, weil wir am zweiten Tag immerhin satte 60 km rollen mussten. Zum Glück war aber der Straßenbelag überwiegend gut, und wir hatten meistens freie Fahrt auf Radwegen.

Allerdings hatte sich die Führungsmannschaft auf der Suche nach einer Abkürzung etwas verfranst, landete schließlich auf einer stark befahrenen Straße und musste so einige Meter laufen. Dennoch waren sie als erste am Ziel und konnten das Quartier in Ottensheim ausloten. Eine frische Dusche und ein kräftiges Abendessen war jetzt für alle das Wichtigste. Mit den ersten Blasen und Druckstellen war nun jedem bewusst geworden, welche Strapazen uns noch bevorstanden.

Dienstag:

Am dritten Tag erwartete uns eine Steigerung auf immerhin 70 km und das bei hochsommerlichen Temperaturen über 30 °C. Leider waren große Abschnitte sehr sonnig, so dass ausreichende Getränkeversorgung beinahe lebenswichtig wurde. Zum Glück hatte unser Chief-Coach jeden Morgen reichlich eingekauft und ausgeteilt. Der Höhepunkt dieser Etappe war erreicht, als sich das ganze Team an einem Rastplatz mit sog. Laabstelle wiedertraf. Alle übergossen sich mit dem herrlich erfrischenden Wasser und konnten sich kaum mehr davon trennen. Kein Wunder bei der tropischen Mittagshitze.

Die Truppe teilte sich in Chief-Coach und Alex, die südlich der Donau nach Mauthausen rollen wollten und René, Siegfried und ich benutzten die nördliche Tour. Auf der südlichen Tour quoll wegen der Hitze der Teer aus der Straße, die Rollen klebten am Teer und es bestand ständig höchste Sturzgefahr. So kam es dann auch wie es kommen musste: nach 50 km beschlossen wir der Sonne ein Schnippchen zu schlagen und zogen uns in Mauthausen in ein schattiges Zugabteil zurück. So eine Bahnfahrt im Ausland ist halt auch eine wichtige Erfahrung. Die folgende Nacht verbrachten wir in Grain in einem älteren Strand-Gasthof mit echter Wiener-Kaffeehaus-Atmosphäre, tuckerndem Touristenfrachter an der Anlegestelle vor unserer Tür und in der Luft lag die ganze Nacht dieser wunderbar nach der Ferne stinkende Dieselgeruch.

Mittwoch:

Knapp die Hälfte der Etappe hatten wir schon hinter uns, aber gut die Hälfte noch vor uns und es wurde jeden Tag heißer. So rollten wir vormittags am schattigen Südufer noch recht munter bis in das idyllische Städtchen Ybbs, wo uns dann aber schwüle Hitze mittags in eine kühle Spelunke zwang. Nur die Spitzentruppe jagte dann in der Tropenhitze weiter nach Melk, während die „Nachhut“ noch bis 17 Uhr unter schattigen Kastanienbäumen döste. Da aber Melk nicht zu uns kam, mussten wir am Abend noch stundenlang durch Donaumücken hindurch unserer Ruhestätte entgegengleiten und sogar die letzten Kilometer unsere Skater durch die Stadt tragen, weil Jugendherbregen immer am anderen Ende des Ortes liegen. In der romantischen Fußgängerzone trösteten wir uns dann bei einem nächtlichen Mal mit einem sog. „Fitnessteller“ (was anderes gab’s nicht mehr) und schöpften neue Kraft für den uns bevorstehenden heißesten Tag.

Donnerstag:

Die ersten Schweißausbrüche gab es bereits beim Fußmarsch zu unserer „Startlinie“. Als wir dann in der Wachau immer wieder über Kopfsteinpflaster holperten und stolperten und das Quecksilber deutlich über 35°C marschierte, wurde die Lage wirklich ernst. Selbst dem Chief-Coach begannen die Sinne zu schwinden. So streckte ihn das plötzliche Ende einer Teerdecke rasch zu Boden. Mit einer Bauchlandung fiel er auf die Nase. Ein vorzeitiger Abbruch der Tour schwebte drohend über uns. Nach kurzer Regenerationsphase gab es aber schon wieder Entwarnung, weil keine ernsthaften Verletzungen, sondern nur Schürfwunden diagnostiziert wurden. Außerdem hatten wir uns für diese Zwangspause ein herrlich schattiges Plätzchen am Donauufer ausgesucht, wo das erfrischende Wasser unsere drei Jungs wie magisch anzog,

so dass sie schließlich kurzerhand hineinsprangen und alle Strapazen war vergessen. Der nahe Bahnhof lud uns ein die restliche Tagesstrecke als Zugreisende zu genießen. So fand auch dieser Tag ein glückliches Ende und wir konnten nachts mit Krems eine weitere idyllische Donaustadt bewundern.

Freitag:

Um bei der anhaltenden Hitze weitere Unfälle zu vermeiden, wurde nach instimmigem Beschluss auch die folgende Etappe bis Klosterneuburg auf den Schienen zurückgelegt.

So trafen wir bereits Freitag mittags in unserer letzten, sehr stilvollen Unterkunft ein und waren bereits vorzeitig an den „Toren“ Wiensangelangt. Nach kurzer Einquartierung machten wir uns also an den Start der letzten Etappe. Siegessicher und stolz rollte unsere kleine Mannschaft durch die Kaiserstadt und fand nach kurzer Rundreise durch die Innenstadt den Weg zum absoluten Endziel unserer Reise, dem Wiener Prater. Nach der Pflichtfahrt im Riesenrad wurde der Prater von den Jungs noch auf eigene Faust erkundet.

Samstag:

Mit dem Zug machten wir uns dann auf Die Rückreise nach Nürnberg.

Die Inliner hatte nun jeder weggepackt und alle waren sich darin einig, dass die Tour einzigartig und erfolgreich war, aber der Rest der Ferien ganz bestimmt ohne Rollen laufen würde.

Klaus Haubner im Juni 2000